Wednesday, April 04, 2012

My GDR


Pic: Sellin, former East Germany, last October, last holiday with Mum.

This is a review on a book about the former GDR, East Germany. "Life in a different Germany", the title is.
It was very interesting and funny enough a colleague of mine, who grew up over there, just wanted to buy that book, too.
I´ll give him mine (we have way too many books anyways) and I´ll ask him about some of the stuff, if it´s really true.

I grew up quite near the border, I could even watch their TV-program.

This review is in German, I won´t translate since I don´t believe anyone is interested.
If you have a question, feel free to use the comment-section.


Pic: The binoculars we had with us in Sellin - it says "Made in West-Germany"!
Anyhows, here goes, was some really interesting read:

Meine DDR – Leben im anderen Deutschland – Florian Huber

1945-1961

Organisiertes Leben

(S. 34) Pioniere, pfadfinderähnliche Abfangstation für Sechsjährige. Pioniergruß: rechten Arm heben, flache Hand so über den Kopf halten, dass der Daumen zum Kopf, der kleine Finger zum Himmel zeigt, die Finger sind geschlossen.

Die Nagelprobe

(S. 55) Von Januar bis April 1953 verließen mehr als 120 000 Menschen die DDR

(S. 60) Aufstand vom 17. Juni 1953: Panzer gegen Holzlatten und Pflastersteine, mehr als 100 Tote, u.a. 20 sowjetische Soldaten, die sich weigerten, auf die Demonstranten zu schießen. Sie wurden hingerichtet.

(S. 67/68) Einer der Demonstranten: der West-Berliner Student Wolfgang Gottschling, er wollte seiner Cousine beim Umzug helfen, sein Pass machte ihn zum Anführer des „Putsches“ – 6 Jahre Zuchthaus, 3 davon saß der unglücklichste Umzugshelfer der deutschen Geschichte ab, unter Schweigegelübte wurde er dann freigelassen.

1961-1971

Ein Vorhang aus Stein

(S. 92) Sonntag, 13. August 1961: Grenze wird abgeriegelt.

(S. 94) Manche blieben freiwillig, man kam noch durch

(S. 96) Antifaschistischer Schutzwall: Betonplatten statt Stacheldrahtzaun. Schwerbewaffnete Grenzer auf Beobachtungstürmen, Lichttrassen, Streckmetallzäune, Stolperdrähte, Hundelaufgräben, Tretminen und Selbstschussanlagen: Die am schwersten bewaffnete Grenze der Welt richtete sich nach innen.

Aufschwung im Schatten der Mauer

(S. 112) Mit Hilfe der Kollegen ein Abendstudium absolvieren – in dieser Zeit zählte, was man leistete, nicht, was man dachte. Bummelei an den Maschinen war verpönt, denn Maschinenstillstand hieß Lohnstillstand.

Neue Frauen für die DDR

(S. 114) „Plaste und Elaste“ gab es wirklich! Essen auf Wegwerftellern, knitterfreie Hemden, leicht abwaschbare Kunststoffmöbel gaben Frauen den Freiraum, sich im Berufsleben zu verwirklichen.

Frische Luft und Daumenschrauben

(S. 120) Frauenzeitschrift Sibylle: Schwererhältliche Konsumguter durften nicht gezeigt werden, z.B. Autos

1971-1982

Jedem seine Wohnung

(S. 159) Einmal im Monat bekamen Frauen einen Haushaltstag.

(S. 161/162/163) Wohnraum war so knapp, dass Ehen zerbrachen, Selbstmorde geschahen, die Wohnungen hatten den Stand der Vorkriegszeit, weniger als die Hälfte hatte eine eigene Toilette oder ein Bad, dann kam die Platte mit fließend Warmwasser, Zentralheizung, WC und Bad. Nach 3 Jahren Ehe in WE-Beziehung die erste 2-Zimmer-Wohnung durch Nachrücken nach Todesfall. Zeit auf der Warteliste war 2 Jahre in dem Fall.

Frühling fürs Nationalgefühl

(S. 177) Weltjugendfestival 1973: Auf 25 000 ausländische Gäste kamen etwa ebenso viele Stasi-Bewacher

Die perfekte Grenze

(S. 209) „Wehrerziehung“: Kindergarten-Ausflüge in die Kasernen der NVA, dann Pionier- und FDJ-Lager mit Manövern und Geländespielen oder Besuchen von Armeevertretern. Schulsport: Weitwurf von Munitionsattrappen, 1978/79: Wehrunterricht Pflicht in Klassen 9 und 10. Jungs ins Wehrlager, Mädchen zum Lehrgang in Zivilverteidigung, ebenso im Studium, in den Betrieben und Freizeitorganisationen gab es „wehrerzieherische Arbeit“

(S. 210) In Grenznähe Erdmienen und bis zu 60 000 Selbstschussanlagen, Höfe und Dörfer im Weg wurden planiert, Tag und Nacht waren Grenztruppen mit ihren 50 000 Mann in Alarmbereitschaft. Ausbau geplant bis zur „Hightech-Mauer 2000“.

1982-1990

Planlose Planwirtschaft

(S. 224) Endlose Wartezeiten beim Autokauf: Einfacher Trabant: 10 Jahre, Wartburg, Skoda, Lada: 17 Jahre, westdeutsche Trend zum Zweitwagen unvorstellbar. Dito die „tausend kleinen Dinge“, Mülltonne, Spülbürste, Türgriff…

(S. 228) Umweltverschmutzung: Die Schornsteine von Leuna pumpten jeden Tag zwei Güterwaggons voll Ruß in die Luft, der Schnee fiel schmierig schwarz, die Kinder mussten gegen den ständigen Rußschleier spezielle Brillen tragen

(S. 229) Teil der Konsumgüterproduktion ging an die Industriebetriebe, z.B. Schwedt (Kunststoffmöbel), Turbinenhersteller Bergmann-Borsig (Elektrorasierer) Rostocker Neptun-Werft (zwischen 1971 und 1985 400 000 Stück Frühstücksbrettchen und auch Gartenmöbel und Rasenmäher)

Warten auf die Ausreise

(S. 232, 233) Antrag auf ständige Ausreise: Im Sommer 1989 warteten 125 000 Menschen auf die Genehmigung. Der Staat ließ die Menschen über den Status im Dunklen, über Jahre. Wenn bewilligt musste die Abreise sofort erfolgen, ohne Verabschiedung. Sie verloren ihren Posten im Betrieb, manche jedoch trugen das Stigma nach außen mit A-Schildern am Auto – A – nicht für Anfänger, sondern für Antragsteller, oder durch weiße Bänder an der Antenne

Die Partei hat noch immer Recht

(S. 235) Im Gegensatz zu Polen und Ungarn schottete sich die DDR rigoros von Gorbatschows Reformkurs ab.

Große Teile der Produktion waren fürs Ausland. Der Kaufpreis der importierten Rohstoffe war meist höher als der Preis des Endprodukts. Die DDR wurde Billigproduzent für die BRD.

(S. 241 ) Zu wissen, was als nächstes kommt, dass man Aufgaben hat – sh ehemalige Mitschülerin…

(S. 242) Die DDR-Presse verharmloste Tschernobyl 1986 und verbot 1988 die deutsche Ausgabe der sowjetischen Zeitung Sputnik, die sich kritisch zum Stalinismus äußerte

Opposition unter Kirschendächern

(S. 243) Verboten waren Gruppenbildung, Anfertigen einer Zeitung, Gründung eines Vereins oder Partei, veröffentlichen eines Buches. Vera Lengsfeld wurde wegen Mitarbeit in der Bürgerrechtsbewegung der Ausschluss aus der SED sowie Berufs- und Reiseverbot auferlegt. Ihr Vater musste schriftlich versichern, dass er den Kontakt zu ihr abbrechen würde. Sie wurde ständig bespitzelt.

(S. 244) Herr und Frau Pilz litten unter schlechten Wohnbedingungen, froren in der nicht beheizbaren Wohnung. Eines Tages hing ein Plakat an ihrem Fenster: „Man verweigert uns die Ausreise aus diesem Stall.“ Der Staat schlug zurück: Die Wohnung wurde durchsucht, vieles zerstört, Vater, Mutter und ein Kind verhaftet. Als die Mutter nach den anderen beiden Kindern rief, wurden ihr die Zähne eingeschlagen. Die Kinder kamen ins Heim, wo sie jeden Morgen beschimpft wurden, ihre Eltern seien Vaterlandsverräter. Das jüngste Kind, 7 Monate, kam in ein anderes Heim. (sie haben nur einen Antrag auf Ausreise gestellt!) Pfarrer Eggert wandte sich an die BRD, die die Familie schließlich freikaufte

(S. 245) Viele waren Weltmeister im Ausblenden, das wollen wir gar nicht wissen, das belastet uns bloss, helfen kann ich sowieso nicht, und weg kann ich auch nicht.

(S. 246) Die Kirchen im atheistischen Staat praktizierten nicht die Kultur des Wegsehens und Weghörens

(S. 247) Einige fanden den Kontakt zu den Kirchen zu spät und bereuten die Ausreise-Entscheidung – Auto, Fernseher und Möbel waren bereits verkauft, eine Rückkehr verbaut.

Die Staatsmacht zieht die Schraube an

(S. 248) In den 80er Jahren waren es nicht mehr einzelne, sondern ganze Gruppen, die kämpften für Bürgerrechte, Umwelt, Frieden, Ausreise, sie vernetzten sich, trafen sich in den Kirchen, verschafften sich gehör bei den Westmedien, ließen sich nicht mundtot machen.

(S. 251) 1988 fingen die Demonstrationen an, die Staatsicherheit griff ein, aber ein westliches Fernsehteam war zur Stelle und filmte die rabiaten Szenen trotz schwerer Behinderungen. Nun konnten alle Deutschen sehen, wie die DDR-Behörden sich mit ihren Kritikern auseinandersetzten.

(S. 254 ff) Gegen den engagierten Pfarrer Wonneberger lief ein operativer Vorgang mit dem Decknamen „Provokateur“. Zwei Dutzend Stasi-Spitzel waren auf ihn angesetzt, die im Laufe der Jahre 3000 Aktenblätter zusammentrugen

Mai-Wahl und Oktober-Revolution

(S. 255) Im Februar 1989 erschossen DDR-Grenztruppen den 20jährigen Chris Gueffroy beim Fluchtversuch. Die Berliner Zeitung schaltete eine Traueranzeige, der Fall gelangte in die westlichen Medien, was internationale Proteste entfachte. Anfang April wurde der stets geleugnete Schießbefehl ausgesetzt: „Es gilt zu beachten: Lieber einen Menschen abhauen lassen , als in der jetzigen politischen Situation die Schusswaffe anzuwenden.“

(S. 256 f) Bei den Kommunalwahlen am 07. Mai 1989 verdächtigten die Bürger die Regierung öffentlich des Betrugs. Die Abschottung von den Sowjetischen Reformen, Verweigerung jeglichen Dialogs, das starre Festhalten an Ritualen und Drohgebärden erstickten im Volk jede Hoffnung auf Besserung. Honecker sagte, die Mauer „werde auch noch in 50 Jahren und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben, wenn die dazu vorhandenen Gründe nicht beseitigt sind.“ – Betonsozialismus. Als Ungarn im September 1989 auf eigene Faust die Grenzen nach dem Westen öffnete verließen 25 000 Menschen die DDR. Die Regierung riegelte die Grenze zur CSSR ab.

(S. 258 f) Die Berliner S-Bahn beschleunigte immer stark, wenn sie am Grenzstreifen entlangfuhr.

Vom S-Bahnhof Plänterwald in Treptow konnte man in den Westen gucken und vom Springer-Hochhaus den Schokoladengeruch wahrnehmen. Am 40. Jahrestag kam Gorbatschow zum Galaempfang, nur 100 Meter weiter wurden Rufe nach Freiheit und Gorbi laut…

(S. 261) Friedensgruppen hielten landesweit Gottesdienste ab, daraus entwickelte sich die Montagsdemonstration. Pfarrer Wonneberger druckte Flyer, wie man sich gegen die Staatsmacht nach Guerillataktik wehrt, 72 Stunden druckte er, bis das Papier alle war.

Am 09. Oktober strömten 70 000 Menschen in Leipzig zur Montagsdemo. In friedlicher Entschlossenheit konnte nach hochaggressiver Stimmung der Marsch zu Ende geführt werden – es war die Kapitulation der Diktatur vor ihren Bürgern, eine Revolution.

Der Traum vom dritten Weg

(S. 262 f) Am 17. Oktober wurde Honecker abgesetzt. Doch die Bevölkerung ließ sich nicht mehr beschwichtigen, hatte die Kraft der Masse entdeckt. Die Demos schwollen an.

(S. 264) Am 09. November fiel in Berlin die Mauer, ohne Schüsse, ohne Blutvergießen. Das Politbüro gab eine Neuregelung zur Ausreise bekannt, die von fantasiebegabten Westmedien als Maueröffnung interpretiert wurde.

Abschiede von einem anderen Deutschland

.(S. 272) 16 Mio Einwohner nahmen Abschied von einer eigentümlichen Republik, die länger überlebt hatte, als ihre Gründer zu hoffen gewagt hatten und die sich 40 Jahre in das Leben hineingedrängt hatte, im Guten wie im Schlechten.

.(S. 273 f) eine friedliche Lösung war keine Selbstverständlichkeit – die bewaffneten Organe in den Betrieben und staatlichen Organisationen waren nie aufgelöst worden, allein in der Staatsbank befanden sich 300 Kalaschnikow-Maschinenpistolen und zwei Flaks Checkpoint Charlie und die Amerikaner waren um die Ecke, es musste nur ein überzeugter Kommunist eine Kalaschnikow aus dem Arsenal holen und ein paar Schüsse abfeuern, dann bräche der Weltkrieg los.

(S. 274) Delegierte der SED rangen sich dazu durch, „sich im Namen der Partei gegenüber dem Volk aufrichtig dafür zu entschuldigen, dass die ehemalige Führung der SED unser Land in diese existenzgefährdende Krise geführt hat.“

(S. 275) An der Brockengrenze waren Hunde im Einsatz, die speziell auf Zivilisten angesetzt waren, es gab eine Mauer wie in Berlin – doch während die Berliner Mauer am 09. November fiel, blieb die Barriere am Brocken dicht. Anweisungen kamen keine.

(S. 276) Einen Monat lang hielt sich der Brocken als letzte Bastion der DDR, am 03. Dezember belagerten DDR-Bürger den Zugang und das Tor wurde von den überforderten Soldaten geöffnet, der letzte Sowjet ging erst 1994

(S. 277) Pfarrer Uwe Holmer hatte 40 Jahre gegen den Staat gekämpft. Seinen 10 Kindern verbot er die Mitgliedschaft bei den Pionieren – keines war später zum Abitur oder Studium zugelassen. Dafür hatte Margot Honecker als Volksbildungsministerin persönlich gesorgt. Am 29.01. würde Honecker von ostdeutschen Polizisten verhaftet, er war aber haft- und vernehmungsunfähig. Niemand jedoch wollte ihn und seine vielgehasste Frau (278) aufnehmen, Transparente wie „Keine Gnade für Honecker“ sind aussagekräftig.

Pfarrer Holmer nahm die beiden auf. (S. 279) – 9 Wochen wohnten Honeckers dort, gegen geringe Miete, anfangs mit gemeinsamen Mahlzeiten. (S. 280) Am 03. April nahm die seltsamste WG der DDR-Geschichte ein leises Ende. Erich Honecker wurde nach Moskau und dann nach Chile ausgeliefert. In Deutschland wurde er wegen der Schießbefehle verklagt, aus Krankheitsgründen wurde das Verfahren eingestellt, er ging nach Chile.

(S. 281) Am 01. Juli 1990 wurde die D-Mark in die DDR eingeführt.

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